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Die novellierte TA Luft 2021

Ramm News Gesetze

Am 14. September 2021 war es endlich soweit: die novellierte TA Luft 2021 wurde veröffentlicht und wird am 1. Dezember 2021 in Kraft treten.

Vieles wurde verändert und konkretisiert in der Ersten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz, sodass die erneute Betrachtung der relevanten Anlagen mit frischem Blick und der TA Luft 2021 in der Hand erfolgen muss.

Einführung

Die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft gilt für genehmigungsbedürftige wie auch für nicht-genehmigungsbedürftige Anlagen. Sobald belastete Abluft entsteht und diese in die Umgebung geleitet wird, müssen die Anforderungen der TA Luft beachtet werden.

Die TA Luft setzt fest:

Grenzwerte für Luftschadstoffe, die von einer Anlage ausgestoßen werden dürfen (Emissionen)
Konzentrationen an Luftschadstoffen, die bei der Nachbarschaft ankommen dürfen (Immissionen)
Überprüfung der Emissionen und der Immissionen
Anforderungen an Anlagenteile

Für betroffene Betreiber lohnt sich ein erster Blick auf einige Änderungen, die die Novelle der TA Luft mit sich bringt.

Der neue Begriff der „Gesamtzusatzbelastung“

Der Begriff der Gesamtzusatzbelastung wurde eingeführt, um die Betrachtungsweise auf die Änderung einer Anlage im Vergleich zur Neugenehmigung einer Anlage zu konkretisieren.

Die Gesamtzusatzbelastung beschreibt die Immissionen der bestehenden Anlage (blau) zusammen mit den Immissionen des geplanten Vorhabens (Zusatzbelastung, grün). Zählt man dazu noch die bestehende Vorbelastung in der Umgebung (orange), von zum Beispiel benachbarten Anlagen oder dem Straßenverkehr hinzu, erhält man die Gesamtbelastung (schwarz).

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Neugenehmigung einer Anlage ist die Zusatzbelastung der Gesamtzusatzbelastung gleich zu setzten, da es keinen Bestand gibt.

Die Betrachtung des Bestandes bietet weiterhin Diskussionsbedarf da, mit Stand Oktober 2021, der Anlagenbegriff in Sinne der TA Luft noch nicht definiert ist. Wenn ein Betriebsgelände z. B. drei relevante Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz aufweist, gilt es mit der zuständigen Behörde in Diskurs zu treten, ob die drei Anlagen getrennt zu betrachten sind oder ob sie alle zusammen den Bestand bilden.

Diese Größen sind ausschlaggebend dafür, ob eine Ausbreitungsrechnung zur Ermittlung der Immissionskenngrößen erforderlich ist und ob die geplante Änderung genehmigungsfähig ist.

Ob eine Ausbreitungsrechnung von Nöten ist, wird über den Vergleich des Emissionsmassenstroms der gesamten Anlage mit festgelegten Bagatellmassenströmen ermittelt.

Verschärfung der Bagatellmassenströme

Die Bagatellmassenströme (Nr. 4.6.1.1, Tabelle 7) stellen einen Schwellenwert dar. Wenn die Emissionsmassenströme der gesamten Anlage diesen überschreiten, wird eine detaillierte Betrachtung der Luftschadstoffemissionen notwendig.

In der TA Luft 2021 wurde konkretisiert, dass für die Ermittlung der Massenströme die Emissionen der gesamten Anlage einzubeziehen sind. Da der Großteil der Bagatellmassenströme verschärft wurde, müssen bei einer geplanten Änderung die Emissionen der Anlage neu bewertet werden.

Wird der Bagatellmassenstrom eines Luftschadstoffes überschritten, muss die Immissionskenngröße über eine Ausbreitungsrechnung ermittelt werden.

Detailliertere Ausbreitungsrechnung zur Ermittlung der Immissionskenngröße

Die Ermittlung der Immissionskenngröße wird über eine Ausbreitungsrechnung gemäß dem Anhang 2 (ehemals Anhang 3) der TA Luft 2021 durchgeführt.

Eine Ausbreitungsrechnung für Luftschadstoffe und Geruchsstoffe berücksichtigt die Ableitbedingungen der Abluft, die Umgebung der Anlage und die vorherrschenden Windverhältnisse. Neu aufgenommen in den Anhang 2 sind die Forderungen, neben den Windverhältnissen auch stets die Niederschlagsintensität zu berücksichtigen sowie die lokalen Kaltluftabflüsse zu betrachten.

Zudem führt der Anhang 2 die Anforderungen an die Ausbreitungsrechnung zur Bestimmung der Schornsteinhöhe neu auf, die als Ersatz des Nomogramms in der Nr. 5.5 „Ableitung von Abgasen“ der TA Luft 2021 zu finden ist.

Neben den Anforderungen für die Schornsteinhöhe führt die TA Luft 2021 auch Anforderungen für Anlagenteile auf. Diese Anforderungen sind unter Nr. 5.2.6 „Gasförmige Emissionen beim Verarbeiten, Fördern, Umfüllen oder Lagern von flüssigen Stoffen“ zu finden und wurden erweitert.

Neue Anforderungen an Anlagenteile

Anlagenteile, in denen mit organischen Stoffen umgegangen wird, die die Kriterien der Nr. 5.2.6 erfüllen, müssen TA Luft konform ausgeführt sein.

Neben den Anlagenteilen wie Pumpen, Flanschen, Verdichtern sowie Absperr- und Regelorganen, sind nun auch Behälter und Rührwerke unter dieser Nummer der TA Luft 2021 aufgeführt. Aufgenommen wurde beispielsweise, dass Behälter und Rührwerke grundsätzlich geschlossen zu halten sind und, sollten sie geöffnet werden müssen, die Emissionen über Unterdruckfahrweise vermindert werden, oder die entstehende Abluft einer Abgasreinigungseinrichtung zugeführt werden soll.

Die Anforderungen der Nr. 5.2.6 gelten ebenfalls für bestehende Anlagenteile. Eine Überprüfung des Bestands lässt sich zum Beispiel mittels eines 3D-Laser-Scans der bestehenden Anlage durchführen, um Kollisionspunkte zu identifizieren.

Haben Sie Fragen zur TA Luft 2021? Bleiben Sie im Dialog mit uns – ob per Email, telefonisch oder über Xing und LinkedIn.

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